Tabak: Das luxemburgische Modell unter Druck angesichts der europäischen Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit
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Jedes Jahr werden Milliarden von Zigaretten, die in Luxemburg verkauft werden, tatsächlich außerhalb des Landes konsumiert. Diese Situation wirft eine zentrale Frage auf: Ist dieses Modell noch mit den europäischen Zielen der öffentlichen Gesundheit vereinbar?
In einem im Luxembourg Times veröffentlichten Artikel rufen die europäischen Krebsorganisationen, das Comité national contre le tabagisme (Frankreich), die Fondation contre le cancer (Belgien) und die KWF Dutch Cancer Society (Niederlande) zu einem koordinierten europäischen Vorgehen auf, um die Preisunterschiede bei Tabak zu verringern. Sie kritisieren darin die Auswirkungen des luxemburgischen Modells, dessen niedrigere Preise die Präventionspolitik der Nachbarländer schwächen und die Bemühungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit auf regionaler Ebene untergraben.

Eine zentrale Rolle und konkrete Auswirkungen
Mit fast 5 Milliarden verkauften Zigaretten im Jahr 2024 bei rund 670.000 Einwohnern nimmt Luxemburg in Europa eine besondere Stellung ein. Diese Mengen übersteigen den nationalen Konsum bei weitem: Rund 88 % der Verkäufe entfallen auf Grenzgänger, die von deutlich niedrigeren Preisen als in den Nachbarländern angezogen werden.
Der Preis von Tabak ist einer der wirksamsten Hebel, um den Konsum zu senken. In Luxemburg kostet eine Packung jedoch zwischen 5,50 € und 6,80 €, während sie in Frankreich über 11 €, in Belgien etwa 9 € und in Deutschland rund 8 € kostet. Diese Preisunterschiede fördern grenzüberschreitende Käufe und schränken die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen ein, die auf eine höhere Besteuerung setzen.
Diese Preisunterschiede führen zu einem Ungleichgewicht und tragen dazu bei, einen Teil der gesundheitlichen Folgekosten in Länder zu verlagern, die strengere Maßnahmen verfolgen.
Ein sich wandelnder europäischer Kontext
Die Europäische Union hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Im Rahmen des europäischen Plans zur Krebsbekämpfung soll die Raucherprävalenz bis 2040 auf unter 5 % gesenkt werden. Vor diesem Hintergrund wird derzeit eine Überarbeitung der Tabaksteuerrichtlinie diskutiert, um die Preisunterschiede zwischen den Mitgliedstaaten zu verringern. Luxemburg lehnt diese Harmonisierung ab, die die Vorteile seines Wirtschaftsmodells, das heute teilweise auf diesen Preisunterschieden beruht, schrittweise infrage stellen könnte.
Eine notwendige Reflexion für die Zukunft
Der Artikel verdeutlicht die Bedeutung eines kohärenten Ansatzes auf europäischer Ebene. Die Bekämpfung des Tabakkonsums kann nur dann wirksam sein, wenn nationale Maßnahmen in eine gemeinsame Dynamik eingebettet sind. In diesem Zusammenhang stellt die Tabakbesteuerung in Luxemburg einen zentralen Hebel dar. Eine Anpassung dieser Besteuerung würde die Attraktivität grenzüberschreitender Käufe verringern und eine bessere Angleichung an die europäischen Ziele der Krebsprävention ermöglichen.
Die Daten sind eindeutig: Eine Erhöhung der Steuern – und damit der Preise – senkt den Konsum und den Einstieg in das Rauchen. Ein Preisanstieg von 10 % führt in Ländern mit hohem Einkommen zu einem Rückgang des Konsums um etwa 4 %, mit besonders deutlichen Effekten bei Jugendlichen und besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Eine Studie zeigt zudem, dass ein jährlicher Preisanstieg von 10 % die Zahl der Raucherinnen und Raucher ab 50 Jahren bis 2030 um etwa 12 % senken könnte und gleichzeitig Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen reduziert¹.
Ein stärkeres Engagement Luxemburgs würde somit konkrete und unmittelbare Vorteile für die öffentliche Gesundheit bringen – sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene.
👉 Der vollständige Artikel ist im Luxembourg Times verfügbar: https://www.luxtimes.lu/luxembourg/how-long-can-luxembourgs-tobacco-model-last/143476338.html
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